Burnout ist chic – oder?

Eine völlig frei erfundene Geschichte mit keinerlei Bezug zur Wirklichkeit:

„Gewinnung neuer Kunden“ ist das Workshop-Thema. Die vier Teilnehmer haben ihr Smartphone fest im Blick. Das Tablet liegt bereit. Es wäre fatal etwas von dem zu verpassen, was gerade in der Welt geschieht. Informiert sein ist alles. Erreichbar sein ist alles. Natürlich vierundzwanzig Stunden. Nichts versäumen. Der Umsatz muss steigen und der Gewinn natürlich auch. Darum geht es. Der Zwischenruf der Sekretärin. Eine dringende Klärung. Eine rhythmische Melodie, einer steht auf und spricht mit dem Anrufer. Der Zweite schaut auf die Uhr. Ein Termin. Das Thema muss beim nächsten Meeting fortgesetzt werden. Wann? Es wird sich ein Termin finden. Nicht so leicht, der Terminplan ist voll. Noch ein letzter Anruf und ins Auto. Was wurde erreicht? Es war wichtig, mal darüber gesprochen zu haben. So läuft heute das Business. Immer in Schwung. Immer dynamisch.

 Auch wenn es keine Lösung gibt,
hat man doch darüber gesprochen.

So werden Burnouts produziert. Der Stresspegel darf nicht unter sein Niveau sinken, sonst fühlt man sich unwohl. Man spielt mit. Man ist gefragt und das steigert schließlich das Selbstvertrauen. Bröckelt der Umsatz mal, ist es der Markt. Das wird schon wieder. Die Rendite wird schwächer. Klar, konjunkturbedingt. Es gibt Ablaufprobleme? Das kann nicht sein. Wir lösen das.

Gefragt zu sein steigert
das Selbstvertrauen.

Anruf beim Chef. Burnout. Im Moment geht es nicht. In einer Woche ist er noch nicht zurück. In zwei Wochen auch nicht. Nach drei Monaten geht es weiter. Ein Burnout ist gut für die Entspannung. Das braucht man doch mal. Ein Burnout ist gut für das Bruttosozialprodukt. Der Mitarbeiterersatz schafft Arbeitsplätze. Der Arbeitsausfall kostet. Die Therapie lässt den Umsatz im Gesundheitswesen steigen. Es folgt die Reha mit teuren Medikamenten. Das ist eine Langfristtherapie. Wir brauchen doch Wachstum.

 Burnout steigert
das Bruttosozialprodukt.

So nebenbei sollte jeder darauf bedacht sein, ein „Überbeschäftigten“-Image aufzubauen. Dazu gehört, dass innerhalb der nächsten drei Wochen keine Terminmöglichkeit besteht.

 Keine Termine innerhalb
der nächsten drei Wochen.

Anrufe werden kurz und knapp abgewickelt. Mobile Anrufe werden angenommen – man ist ja erreichbar – aber ein Gespräch ist nicht möglich, man ist im Kundengespräch. Nächster Versuch am Freitag nach 17.00 Uhr. Leider kam etwas dazwischen. Drei Wochen sind vergangen. Es hat sich inzwischen erledigt. Das Projekt ging unter.

 Nie den Eindruck entstehen lassen,
man hätte Zeit für einen Small-Talk.

Taucht eine Schwierigkeit auf, ist sie nur willkommen. Jetzt zeigt sich der wahre Troubleshooter. In einer Feuerwehraktion kann man sich am besten bewähren.

 Ein Problem muss schnell gelöst werden.
Gehen Sie der Sache nicht auf den Grund.
Warum auch?

Es ist unverständlich, warum sich jemand hinsetzt und über eine Sache brütet. Die Erfahrung zeigt doch, wenn eine Schwierigkeit auftritt, greift man zu und die Lösung ist da. Wer wird da noch Zeit verschwenden? Man muss nur wollen.

Eine herrliche Zeit. Immer online. Immer mittendrin. Na, und ein Burnout. Das gehört einfach dazu. Oder nicht?

Wie gesagt, alles frei erfunden.

Wolfgang T. Kehl
kontakt@goaling.de
Tel: (49) 06805 / 221-91
http://www.goaling.de
http://www.goalingtoolbox.de

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2 Antworten to “Burnout ist chic – oder?”

  1. freudefinder Says:

    oh ja, das ist natürlich frei erfunden, so was kann es ja gar nicht geben….. denkt man – aber die Wirklichkeit ist leider erschreckend.
    Toll auf den Punkt gebracht in der völlig frei erfundenen Geschichte…..

  2. goaling Says:

    ja, richtig die Wirklichkeit ist erschreckend. Für mich ist es noch erschreckender, dass ich keine wirkungsvollen Ansätze erkenne, die gegensteuern.

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